Falsche Messungen

Wenn Radarfallen und Laser falsch messen

Ob Laserpistole oder Piezosensor - Ingenieure versuchen mit ausgefeilten Methoden Rasern im Strassenverkehr auf die Schliche zu kommen. Doch nicht alle Geräte messen immer die korrekte Geschwindigkeit.

kontrolle1Der Motor summt, Musik schallt durch den Wagen, die Landschaft saust vorüber. Plötzlich: ein greller Lichtblitz. Der reflexartige Tritt auf die Bremse kommt zu spät. Erwischt! Es gibt viele Gründe zu schnell zu fahren.

Gemäss ASTRA gibt es keinen guten Grund dazu, doch jeder der täglich auf der Strasse unterwegs ist kennt unzählige Gründe dazu. 

Laser, Radar oder Licht

 Die Fahrer sehen nur den Radarkasten oder das mobile Radargerät der Polizei. Sie funktionieren, weil in ihnen raffinierte Elektronik und Messtechnik steckt. "Man braucht einen Sensor, der entscheidet, ob ein Foto gemacht wird". Der Fotoapparat selbst hat mit der Geschwindigkeitsmessung nichts zu tun.
Die Radarkontrollsysteme funktionieren dank vieler verschiedener Techniken – zum Beispiel Laser-, Radar-, Licht- oder Graustufenmessung.

Viele Radar-Strafen sind falsch!

Doch wie funktionieren diese Messverfahren eigentlich und wie genau sind sie? Es gibt viele Methoden und jede ist unterschiedlich zuverlässig. Die Hälfte aller Radar-Strafen sind angreifbar oder gar schlicht falsch. Das liegt etwa daran, dass der vermeintliche "Täter" gar nicht selbst am Steuer sass, oder die Messstelle falsch gewählt wurde.

Doch auch die Messtechnik selbst hat ihre Tücken. "Zwischen zehn und zwanzig Prozent der Messungen sind wegen technischer Einwände angreifbar". Am anfälligsten sind demnach Radarmessungen. "Da stimmt häufig der Winkel der Messgeräte zur Fahrbahn nicht oder es liegt eine Schrägfahrt des Fahrzeuges vor, wenn es zum Beispiel kurz vor der Messung an einem parkenden Fahrzeug vorbeigefahren ist und somit kurzfristig nicht parallel zur Fahrbahn fährt. Für das geschulte Auge ist das nachher auf den Fotos allerdings feststellbar".

Reflektierte Wellen

Die Radarmessung funktioniert mithilfe des Dopplereffekts. Die vom Messgerät ausgesandten Radarwellen werden von dem Fahrzeug reflektiert, wobei sich die Frequenz der Welle – abhängig von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs – ein wenig verändert. Diese Änderung wird registriert und daraus das Fahrzeugtempo ermittelt. Die Radargeräte müssen dazu in einem bestimmten Winkel zur Strasse aufgestellt sein – schon kleine Abweichungen verursachen Messfehler.

Auch Laserpistolen liefern nicht immer korrekte Messergebnisse. Der Laserstrahl ist in etwa 500 Meter Entfernung rund 2,50 Meter breit – und damit breiter als ein normales Auto. "Der Laserstrahl geht unter Umständen am Auto vorbei und erfasst eventuell auch ein Fahrzeug, das sich neben dem eigentlich gemessenen Fahrzeug befindet. Der Polizeibeamte kann das aber unter Umständen durch sein Zielfernrohr nicht sehen".

Fehlende Fotos

Später ist das dann nicht mehr überprüfbar, ob die gemessene Geschwindigkeit dem erfassten Auto sicher zugeordnet werden kann. "Dieses Problem liesse sich lösen, wenn auch die Lasermesspistole, wie bei fast allen anderen Messgeräten, ein Foto vom jeweiligen Auto anfertigen würde." Doch dagegen wehren sich die Hersteller. Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren. "Technisch wäre eine Fotodokumentation ganz leicht und preiswert zu installieren".

Die Laserpistolen senden in ganz kurzen Abständen Lichtsignale aus, die vom Auto reflektiert werden. Aus der Laufzeit der Lichtsignale lässt sich bei bekannter Lichtgeschwindigkeit (300.000 Kilometer pro Sekunde) die Distanz zum Fahrzeug berechnen. Misst man also mit mehreren Lichtpulsen hintereinander diese Distanz mehrfach, kann aus der sich pro Zeiteinheit verändernden Entfernung des Autos auf dessen Geschwindigkeit geschlossen werden.

Sicher sind Piezosensoren

Die wenigsten Patzer passieren bei Messungen mit Piezosensoren in der Fahrbahn. Das System funktioniert meist mit drei parallel in die Fahrbahn eingebrachten Sensorkabeln. Überfährt ein Auto die Sensoren, kann die Zeit gemessen werden, die es für den Abstand zwischen zwei Sensorkabeln benötigt hat.

Daraus lässt sich gemäss der Formel Geschwindigkeit = Strecke durch Zeit (v = s/t) die Fahrzeuggeschwindigkeit ermitteln. Ist sie höher als erlaubt, wird der Blitz des "Radarkastens" ausgelöst. Diese Kombination aus festen Sesoren und festen Kästen ist eine ziemlich sichere Methode.

Nur wenige Autofahrer klagen

Ein Mitglied hat nach einer Beratung durch uns Einsprache gegen eine enorme Busse inkl. Fahrverbot eingereicht. Unser Mitglied bekam Recht und muss weder Strafe zahlen noch seinen Führerschein abgeben. Grund für den Fehler war auch hier ein technischer Patzer gewesen. Damit ist leider unser Mitglied allerdings eine Ausnahme.

Nur die wenigsten Autofahrer wehren sich gegen Radarbussen, die sie für ungerechtfertigt halten. Vielen ist nicht klar, wie fehlerbehaftet manche Techniken sind. "Und die Kosten, das durchzufechten, sind häufig immens." Oft müsse der Anwalt einen Sachverständigen hinzuziehen, damit das Gericht überzeugt werden kann. "Da sind wir locker mal bei 2000 Franken – und auch wenn man Recht bekommt, heisst das noch lange nicht, dass Anwaltskosten später von der Staatskasse erstattet werden."

Einnahmequelle für die Staatskassen

Während sich Fahrer über Radarkontrollen ärgern, kann der Staat daran gut verdienen. Dass ein Radarkasten für eine Kommune zum kleinen Wirtschaftswunder werden kann beweisen die Bussenbudget der Kantone. Die Kameras, nicht nur in der Schweiz sondern in ganz Europa, blitzen und blitzen und blitzen.

Schwarzblitzer im Tunnel

Die Techniken, mit denen Autofahrer abgezockt werden, werden immer genauer und sicherer. Einige Hersteller haben mittlerweile moderne Geräte ohne sichtbaren Blitz auf den Markt gebracht. Das weisse oder rötliche Blitzlicht würde besonders im Dunkeln so sehr irritieren, dass es zu einer Gefahr für Fahrer und andere werden könnte. Vor allem in Tunneln setzt die Polizei deshalb vermehrt auf die sogenannten Schwarzblitzer.

"Die verwenden kein weisses Licht, sondern blitzen im infraroten Bereich". Da es also keinen sichtbaren Blitz gibt, merken viele Fahrer gar nicht, dass sie in eine Radarfalle geraten sind – und wundern sich dann umso mehr, wenn sie die Geschwindigkeitsbusse im Briefkasten finden.

Um die Schwarzblitzer auszutricksen, sollen einige Autofahrer schon ihre Frontscheibe mit Infrarotlicht reflektierendem Glas abgeklebt haben. Manche Hersteller bieten solche Gläser an, um die Hitze des Sonnenlichts nicht ins Fahrzeug eindringen zu lassen. Doch die Wellenlänge der Infrarot-Blitz durchdringt alle zugelassenen Autoscheiben. Gegen Radarkontrollen hilft nur: Fuss vom Gas oder Radarzentrale.